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Teil 1 Klimawahl - die Fakten: Wie es wirklich um unser Klima bestellt ist und welche Wahl DU hast.

Aktualisiert: Sept 22

Faktencheck auf Basis des aktuellen 6. Sachstandsberichts des UN-Weltklimarates (IPCC) und wie Du persönlich damit umgehen kannst.

Bildquelle: IPCC, 2021: Summary for Policymakers. In: Climate Change 2021: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change



Wie steht es wirklich um das Klima?

Und will ich das wirklich wissen? Denn: Was kann ich persönlich schon ausrichten?


In diesem Artikel findet Du die wissenschaftlichen Fakten zum aktuellen Stand des Klimas, die daraus abgeleiteten möglichen Klimaszenarien bis 2100 und wie DU persönlich einen echten Unterschied machen kannst:


Weg vom Gefühl der Machtlosigkeit und hin zu der Identität, die (auch) in Dir steckt: Changemaker:in, Gestalter:in, Leader:in, die es in Anbetracht der Fakten nun dringend braucht.


1) Die Fakten zum aktuellen Stand des Klimas

Im August hat der UN-Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)) seinen aktuellsten Bericht zur Lage des Klimas veröffentlicht: Der erste Teil des Sechsten Sachstandsberichts (in vollständiger Form wird er Frühjahr 2022 erscheinen).

Dafür haben über 200 Wissenschaftler aus 66 Ländern die Ergebnisse von 14.000 wissenschaftlichen Studien ausgewertet und die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger wurden daraufhin von allen UN-Mitgliedsstaaten unterzeichnet.


Wir können also davon ausgehen, dass das der aktuellste und umfassendste Bericht zur Lage des Weltklimas ist. Diese 200 Wissenschaftler bestätigen nun, was lange diskutiert und in Frage gestellt wurde:


Es ist eindeutig, dass der Einfluss des Menschen die Atmosphäre, den Ozean und die Landflächen erwärmt hat.

Weitreichend und rapide Veränderungen in der Atmosphäre, dem Ozean, der Kryosphäre und der Biosphäre haben stattgefunden.

Unter anderem hat sich die Erde bereits heute um 1,09 °C erwärmt (im Vergleich zu den Jahren 1850-1900) - auf dem Land stärker (1,59°C) als über dem Ozean (0,88°C).

Der globale Meeresspiegel ist zwischen 1901 und 2018 um 0,20 m gestiegen; und das immer schneller (durchschnittliche Rate von 1,3 mm pro Jahr zwischen 1901 und 1971 auf 3,7 mm pro Jahr zwischen 2006 und 2008).

Hauptverantwortlich dafür ist der Mensch.


Der Einfluss des Menschen hat das Klima mit einer Rate erwärmt, die seit mindestens 2000 Jahren beispiellos ist.


Wie genau zeigt die Grafik zur vergangenen Entwicklung der globalen Temperaturveränderungen und Ursachen für die aktuelle Erwärmung:

Erläuterung zu den Werten in der Grafik:

Die Werte in der linken Darstellung sind relativ zu 1850-1900 und gemittelt pro Dekade.

Der vertikale Balken links zeigt zum Vergleich die geschätzte Temperatur während dem wärmsten Zeitraum (vor ca. 6500 Jahren) seit mindestens der letzten 100.000 Jahre. Er wurde verursacht durch die Erdbahnparameterverschiebungen über Jahrtausende hinweg.

Die Werte in der rechten Darstellung zur Veränderung der globalen Oberflächentemperatur sind im jährlichen Durchschnitt angegeben und ebenfalls relativ zu 1850-1900.


Das heißt:

Das Ausmaß der jüngsten Veränderungen im gesamten Klimasystem und der gegenwärtige Zustand vieler Aspekte des Klimasystems sind seit vielen Jahrhunderten bis Jahrtausenden beispiellos.


2019 war die Konzentration an CO2 in der Atmosphäre auf dem höchsten Stand in mindestens den letzten 2 Millionen Jahren, und die CH4- und N2O-Konzentrationen in mindestens den letzten 800.000 Jahren. Der globale Meeresspiegel ist seit 1900 schneller gestiegen als in jedem vorherigen Jahrhundert seit mindestens 3000 Jahren.


Der Weltklimarat lässt keinen Zweifel daran, dass die zunehmenden Extremwetterlagen in allen Regionen der Welt hauptsächlich menschen-gemacht sind:


Seit dem letzten Sachstandsbericht des Weltklimarates gibt es stärkere Belege für beobachtete Veränderungen von Extremwetterlagen wie Hitzewellen, Starkniederschlägen, Dürren und tropischen Wirbelstürmen sowie insbesondere für deren Zusammenhang zum Einfluss des Menschen.


Soviel zum Status quo. Doch was heißt das nun konkret für unsere Zukunft?


2) Mögliche Zukunftsszenarien

In fünf Szenarien – von sehr optimistisch bis apokalyptisch - spannt der Weltklimarat einen Raum auf, in dem sich unsere Zukunft höchstwahrscheinlich abspielen wird:


Szenario 1 und 2: Optimistisch in eine reichere & gerechtere Welt durch radikales Umdenken

  • Die Regierungen handeln sofort und gemeinschaftlich und reduzieren den Einsatz fossiler Brennstoffe radikal.

  • Zusätzlich gelingt es mithilfe von neuen Technologien große Mengen CO2 aus der Luft zu filtern: 2100 liegen die weltweiten Emissionen bei null und werden sogar negativ.

  • So können innerhalb von mehreren Jahren erkennbare Auswirkungen auf die Treibhausgas- und Aerosolkonzentrationen und die Luftqualität erreicht werden

  • Im 1. Szenario werden die CO2-reduzierende Technologien etwas schneller entwickelt, so dass sich die Erde 2100 um 1,4 °C erwärmt hat, im 2. Szenario um 1,8 °C. Das im Pariser Klimaschutzabkommen beschlossene Ziel, die Erderwärmung auf unter 2 °C zu halten, wird also erreicht.

  • Starkes Wirtschaftswachstum und weitreichende Investitionen in Bildung und Gesundheitswesen verbessern den Lebensstandard aller Menschen.

  • Häufige extreme Wetterlagen sind nicht vermeidbar, doch eine Klimakatastrophe kann verhindert werden.


Szenario 3: Das wahrscheinlichste Zukunftsszenario durch "weiter so" - mit verheerenden Folgen

  • Die Länder, die sich dem Pariser Klimaschutzabkommen angeschlossen haben, verfolgen grob ihre gesetzten Zeitpläne weiter, die CO2-Emissionen zu reduzieren.

  • Die CO2-Emissionen sinken erst zur Mitte des Jahrhunderts und bleiben bis dahin auf einem hohen Niveau.

  • Die Schere zwischen Reich und Arm wird größer: Einige Länder erlangen immer mehr Wohlstand und soziale Gleichheit, während andere zurückfallen.

  • Die Weltbevölkerung wächst auf einen Höchststand von etwa 9,5 Milliarden Menschen gegen Ende des Jahrhunderts.

  • Die Erde erwärmt sich um 2,7°C am Ende des Jahrhunderts; die Welt kann sich vor den schlimmen Folgen des Klimawandels kaum schützen.


Szenario 4: Eine Welt geprägt von Nationalismus und Klimakatastrophen

  • Der Nationalismus hat die Länder fest im Griff und eine internationale Zusammenarbeit findet nicht mehr statt

  • Wirtschaftswachstum und sozialer Fortschritt stagnieren und die CO2-Emissionen steigen im Laufe des Jahrhunderts weiter an

  • Die Weltbevölkerung wächst auf über 12 Milliarden (von heute 8 Milliarden) zum Ende des 21. Jh. an, da die Geburtenrate in vielen armen Ländern hoch bleibt

  • Die Erde erwärmt sich um 3,6°C zum Ende des Jahrhunderts

  • Dürren und Fluten werden häufiger und heftiger, das arktische Sommereis verschwindet komplett und Hitzewellen, die sonst etwa alle 50 Jahre auftreten, kommen jetzt fast 40x häufiger vor.


Szenario 5: Mit Energieverschwendung in apokalyptische Zustände

  • Die Menschheit schafft es nicht, die Emissionskurve umzukehren und verdoppelt durch einen energieintensiven Lebensstil den Bedarf an fossilen Brennstoffen

  • Dafür wird immer mehr Kohle abgebaut

  • Die Erde erwärmt sich um 4,4°C und wird heißer, als sie es seit Millionen von Jahren war


Bei allen fünf betrachteten Szenarien wird die globale Oberflächentemperatur bis mindestens Mitte des Jahrhunderts weiter ansteigen.


Extreme Wetterlagen wie Hitzewellen, Starkniederschläge, Dürren und tropische Wirbelstürme werden häufiger und intensiver auftreten.

Aus naturwissenschaftlicher Sicht müssen zumindest netto Null CO2-Emissionen erreicht werden, zusammen mit starken Verringerungen anderer Treibhausgasemissionen (wie CH4), um die menschen-gemachte Erderwärmung auf ein bestimmtes Niveau zu begrenzen.


Ohne drastische Reduktionen der CO2- und anderer Treibhausgasemissionen wird eine globale Erwärmung von 1,5 °C und 2 °C im Laufe des 21. Jahrhunderts überschritten werden.


Treffen wir heute Maßnahmen, dauert es, bis die Ergebnisse sichtbar werden:

Bei einem Vergleich der gegensätzlichen Szenarien 1/2 und 4/5 beginnen sich erkennbare Unterschiede zwischen den Trends der globalen Oberflächentemperatur erst innerhalb von etwa 20 Jahren von der natürlichen Variabilität abzuheben.


Dabei ist wichtig zu wissen:


Viele Veränderungen aufgrund vergangener und künftiger Treibhausgasemissionen sind ÜBER JAHRHUNDERTE BIS JAHRTAUSENDE UNUMKEHRBAR, insbesondere Veränderungen des Ozeans, von Eisschilden und des globalen Meeresspiegels.



ZWISCHENFAZIT:


  • Wir sind mitten im Menschen-gemachten Klimawandel und es gibt kein Zurück; die Klimakrise ist keine Zukunftsbedrohung mehr

  • Häufige extreme Wetterlagen sind selbst in den optimistischsten Szenarien nicht mehr vermeidbar

  • Die meisten Vorhersagen sind düster und wenn wir weitermachen wie bisher, ist das Pariser Klimaabkommensziel komplett außer Reichweite

  • Aber auch wenn wir nicht alle Auswirkungen des Klimawandels abwenden können, so gibt es doch noch eine mögliche Zukunft, in der die Welt gerechter und wohlhabender wird und sich an den Klimawandel anpassen könnte: Allerdings nur, wenn jetzt sofort ein radikales Umdenken startet. Oder wie es das World Economic Forum ausdrückt:


"It´s the decade to deliver"



3) Wie genau Du einen echten Unterschied machen kannst, findest Du im 2.Teil unseren Blogartikels.






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Du magst Dich gerne mit den Klimathemen inhaltlich noch mehr beschäftigen?

Diese Dokus geben Dir eine fundierte Faktenbasis, um noch tiefer in die einzelnen Themen einzutauchen:

https://www.thedecadeofaction.com/

https://www.seaspiracy.org/facts

https://www.cowspiracy.com/


Den vollen IPCC Report (250 MB in Englisch) gibt es hier: https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg1/#SPM

Die 39 Seiten Zusammenfassung für Policymakers hier: https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg1/downloads/report/IPCC_AR6_WGI_SPM.pdf

Deutsche Übersetzung der Headlines: https://www.de-ipcc.de/270.php#%C3%9Cbersetzungen%20zum%20AR6-WGI Weitere Quellen:

https://www.nationalgeographic.de/umwelt/2021/08/klimawandel-weltklimarat-zeigt-fuenf-moegliche-szenarien-fuer-die-zukunft-auf

https://www.dw.com/de/was-ist-der-weltklimarat-ipcc-und-was-macht-er/a-50562658

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